Strafe muss sein – Wirklich?

27.09.2016 10:30 von Dorins Kindermode

Die richtige Art der Erziehung wird wohl immer ein heiß debattiertes Thema sein. Sollten Eltern eher eine strenge Autoritätsperson sein, die Regeln aufstellt und diese dann durchsetzt, oder doch eher eine Art Freund zum gemeinsamen Spielen und Entdecken. Natürlich ist das keine einfache Entweder-oder-Entscheidung und sehr situationsabhängig. Aber was tun, wenn die Kleinen über die Stränge schlagen? Wie weit sollten Strafen gehen und sind sie wirklich ein angemessenes Mittel, um Erziehungsziele zu erreichen? Im heutigen Blogartikel wollen wir uns damit näher auseinandersetzen.

Begrifflichkeiten

Das Wort „Strafe“ an sich ist in der Pädagogik eigentlich längst überholt. Ein angebrachterer Begriff ist dagegen „Konsequenzen“. Kinder müssen erst lernen, dass ihr Handeln direkte Folgen für sie und ihre Umwelt hat. Dazu ist es zunächst einmal wichtig aufzuzeigen, was „richtiges“ und was „falsches“ Verhalten ist. „Wenn du nicht aufhörst, rumzuschreien, dann gehen wir nach Hause!“,  „Wenn du deinen Teller nicht aufisst, dann darfst du nachher nicht noch mit fernsehen!“ – solche Wenn-dann-Sätze kennt wohl jeder. Grundsätzlich funktioniert dieses Prinzip natürlich in beide Richtungen. Richtiges Verhalten wird belohnt, falsches Verhalten bestraft. Damit Kinder die Logik solcher Situationen verstehen, müssen angedrohte Konsequenzen auch durchgesetzt werden. Wie sollen Kinder mit Floskeln wie „das war das letzte Mal, dass…“ umgehen, wenn Fehlverhalten trotzdem konsequenzlos bleibt oder die Strafe letztlich doch erlassen wird? Heißt für Eltern: Ihr solltet euch genau überlegen, mit welchen Konsequenzen ihr droht und nicht im Affekt Wenn-dann-Zusammenhänge aufstellen, die ihr später nicht erfüllen könnt oder möchtet.

Muss Strafe als Mittel der Erziehung sein?   Richtige Bestrafung finden

Kreativ statt streng

Dass die Prügelstrafe ein Relikt der Vergangenheit ist und Kindern eher schadet, als sie zu erziehen, ist mittlerweile Konsens. Auch die „Stille Treppe“ à la Super Nanny wird mittlerweile eher kritisch gesehen. Das wirft natürlich die Frage auf, wie man stattdessen angemessen auf Fehlverhalten reagiert. Die meisten Pädagogen raten dazu, dass Konsequenzen in Verbindung zur jeweiligen Situation stehen sollten. Ziel muss es sein, dass das Kind versteht, warum sein Verhalten falsch war, anstatt ihm eins auszuwischen. Wird beim Fußballspielen in der Wohnung eine Vase zerschossen, dann kann es zum Beispiel sinnvoll sein, das Kind finanziell daran zu beteiligen. Es muss den Nachteil ertragen, weniger Taschengeld übrig zu haben, und versteht im Idealfall, dass es nicht gut ist, wenn Sachen kaputt gehen, denn diese kosten Geld. Um den Zusammenhang verständlich zu machen, sollten Strafen auch sofort erfolgen. Gerade für kleine Kinder ist „eine Woche Hausarrest“ eine Zeitspanne, die sie kaum überschauen können. Meist gibt es direktere und unmittelbare Alternativen.

Jeder Jeck ist anders

Wichtig ist immer, das richtige Maß zu finden. Es macht natürlich einen Unterschied, ob ein 6- oder ein 12-jähriges Kind beim Lügen erwischt wird. Gewisse Trotzphasen sind in der Entwicklung völlig normal und gehen auch wieder vorbei. Wer sein Kind kennt, der weiß wie stark ihm das eigene Fehlverhalten bewusst ist und kann entsprechend anders reagieren. Aber auch dann seid ihr immer der Partner und nicht der Feind eures Kindes. Macht klar: „Ich habe dich lieb, so wie du bist, aber dein Verhalten gerade war nicht okay, weil…“. Sucht immer Kompromisse und seht Strafen als letzten Ausweg, seid dann aber auch konsequent! Mit Bedachtheit und Geduld hängt der Haussegen bald wieder gerade. ;-)

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